St. Louis

St. Louis, eine prosperierende Stadt im 19. Jahrhundert, die Stadt des Blues im frühen 20. Jahrhundert, eine Stadt auf dem absteigenden Ast mit ständig sinkenden Einwohnerzahlen im 21. Jahrhundert. Sehr schade, aber auch im Stadtbild ist das leider nicht zu übersehen. Es gibt in Downtown zwar jede Menge Parkhäuser und Bank- und Bürogebäude, dazwischen stehen aber viele Häuser leer und verrotten langsam. Vieles wirkt ungepflegt und heruntergekommen bis hin zu den Straßen.

Vor dem Civil Courts Gebäude findet gerade eine Auktion statt. Wir glauben, hier werden beschlagnahmte Autos versteigert. Die Polizei ist auch vor Ort.

Hier in St. Louis wuchsen Josephine Baker und die Jazzmusiker Clark Terry, Miles Davies, Oliver Nelson und Grant Green auf. Der Rock-’n’-Roll-Pionier Chuck Berry kommt aus Saint Louis. Und auch die Gesangskarriere von Tina Turner begann 1958 hier in der Band Kings of Rhythm des in East St. Louis ansässigen Ike Turner.

Im Loop District gibt es einen Walk of Fame, wo sie alle mit Sternen auf dem Bürgersteig verewigt sind, nicht ganz so glamourös wie in Hollywood, aber immerhin … Das gesamte Viertel ist unkonventionell, lebendig und nicht unsympathisch.

Im “Three Kings“ machen wir eine kleine Pause. Wir sitzen quasi auf der Straße. Ähnlich wie in Berlin Kreuzberg werden auch hier Parkplätze an der Straße “umgewidmet“ 😉.

Jonathan Franzens Roman The Twenty-Seventh City (1988) behandelt übrigens den Niedergang der Stadt St. Louis im 20. Jahrhundert. Und sein Bestseller The Corrections (2001) hat auch teilweise St. Louis (im Roman „St Jude“ genannt) zum Schauplatz.

Aber nach St. Louis sind wir eigentlich gekommen wegen des Gateway Arches, eines 192 Meter hohen mit Edelstahl verkleideten Bogens. Er ist der höchste Bogen der Welt und das höchste zugängliche Gebäude in Missouri.

Von unserem Hotelzimmer aus haben wir einen fantastischen Blick auf den Arch, …

… und der Weg dorthin ist auch nicht weit.

Mit einer kuriosen Bahn kann man im Inneren des Arches ganz nach oben fahren. Am „Gipfel“ des Bogens gibt es Fenster, die einen weiten Ausblick ermöglichen.

Die Idee zum Bau des Arches entstand bereits 1933, fertiggestellt wurde er 1965. Er ist all denen gewidmet, die vorwiegend im 19. Jahrhundert die Expansion der Vereinigten Staaten nach Westen ermöglichten, in erster Linie aber Meriwether Lewis und William Clark, deren Expedition 1804 hier in St. Louis startete. Sie war von Präsident Thomas Jefferson mit 2.500 $ finanziert und hatte das Ziel, einen Weg zur Pazifikküste zu finden. Erfolgreich kehrten Lewis und Clark nach zwei Jahren und vier Monaten wieder zurück.

In den USA kennt jedes Kind die Geschichte dieser Expedition, an vielen Stellen hier im Westen gibt es Hinweise darauf, und Highways und Trails sind nach Lewis und Clark benannt. Im Visitor‘s Center im Gateway Arch befindet sich eine sehr eindrucksvolle Dokumentation dazu.